Wie stellen vorsichtige Anleger sich für einen Abschwung auf? Es braucht keine Panikverkäufe von Aktien, vielmehr können Anleihen eine taktische Waffe sein

Es könnte bald schon wieder vorbei sein mit der schönen neuen Zins-Welt. Zumindest wenn es nach den Erwartungen des Marktes geht. Obwohl die amerikanische Notenbank am Mittwoch die Zinsen weiter angehoben hat, reagierten die Renditen von Anleihen stoisch und gaben sogar leicht nach. Die Interpretation: Es ist vorbei! Das war es mit den Zinserhöhungen.

Die beste Idee für die Rezession? So stellen sich Profis jetzt auf, Beating Beta

Investoren decken sich deshalb gerade mit Staatsanleihen ein und rechnen spätestens im kommenden Jahr mit scharfen Zinssenkungen. Jeffrey Gundlach von DoubleLine Capital sagte kürzlich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession derzeit „ziemlich verdammt hoch“ sei. Nun könnten die Zinsen fallen, wenn sich die Lage der Wirtschaft eintrüben sollte oder wenn die Krise der US-Banken sich wegen der höheren Zinsen einfach nicht einbremsen lässt. Einige Analysten wie von TD Securities oder der Mizuho Bank erwarten, dass die Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen bis Jahresende auf 2,5 bis 2 Prozent fallen wird. Viele sehen alleine den stark fallenden Ölpreis als Indikator für eine abkühlende Wirtschaft (siehe Chart unten). In der Grafik unten siehst du auch, um wie viele Basispunkte nach Meinung des Marktes momentan die Rendite der Anleihen bis Jahresende fallen soll. Momentan sind es mehr als 70 Basispunkte nach unten – demnach erwartet der Markt eine Rendite von rund 2,70 Prozent in der zweiten Jahreshälfte.

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Fallen die Zinsen also bald wieder gehörig? Wir wissen es nicht, genauso wenig wie Aktienkurse lassen sich die Entscheidungen der Notenbank prognostizieren. Zu komplex erscheinen die Probleme momentan: Auf der einen Seite muss die Fed die Inflation bekämpfen und erlebt eine nach wie vor starke Wirtschaft. Allein am Freitag, 5. Mai, überraschten die frischen Zahlen vom Arbeitsmarkt wieder positiv. Auf der anderen Seite wanken die Banken und viele sorgen sich um den Kollaps beim aktuellen Zinsniveau. Es bleibt also kompliziert.

Nun stellt sich für strategische Anleger jedoch eine Frage: Wie lässt sich aus der aktuellen Lage eine Win-Win-Situation machen? Und genau da kommen Anleihen ins Spiel. Nehmen wir einfach mal an, es kommt in etwa so, wie es gerade viele erwarten: Die Wirtschaft läuft schlechter und die Zinsen fallen. Könnte negativ für Aktien sein (aber das ist an dieser Stelle egal), es wäre in jedem Fall positiv für die Kurse von Anleihen. Anleger können sich also breiter aufstellen und ihr Portfolio diversifizieren. Es braucht keinen Panikverkauf oder komplizierte Shorts, die dann im Zweifel sowieso abrauchen. Natürlich könnten Aktien auch steigen bei fallenden Zinsen, was noch besser wäre. Die Kurse von Anleihen können selbstverständlich auch fallen, dieses Risiko muss einem bewusst sein. Aber es hält sich dann doch in Grenzen, die Zinsen kassieren Anleger ja in jedem Fall und am Ende der Laufzeit gibt es das Geld wieder zurück (außer die USA sollten als Schuldner ausfallen, wovon wir natürlich nicht ausgehen).

Aber was würde eine Spekulation auf fallende Zinsen und steigende Anleihekurse jetzt konkret bringen? Nach der Zinserhöhung am Mittwoch fiel die Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen auf unter 3,40 Prozent. Machen wir dazu ein Rechenbeispiel: Wenn ein Anleger am Mittwoch zum Schlusskurs von 3,35 Prozent solche zehnjährigen US-Staatsanleihen gekauft hätte, würde er bei einem Rückgang der Rendite auf 2 Prozent im Dezember einen Vorsteuergewinn von etwa 13 Prozent erzielen, das ergeben aktuelle Daten von Bloomberg.

Die Strategie sieht also folgendermaßen aus: Jener Teil, der in Anleihen investiert wird, gewinnt im Falle einer Rezession beziehungsweise bei fallenden Zinsen an Wert. Sollten Aktien während dieser Zeit fallen, lassen sich die Kursgewinne bei Anleihen mitnehmen und Aktien billiger nachkaufen.

Sollte beides steigen? Noch besser.

Sollten die Kurse von Anleihen fallen? Dann gibt es natürlich keine Garantie für steigende Aktienkurse im Gegenzug, aber das Risiko erscheint überschaubar. Einen Supergau für Aktien und Anleihen kann man natürlich nicht ausschließen, das wären weiter stark steigende Zinsen. Nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich …

Aber was steckt eigentlich genau hinter der Logik mit den Anleihen? Das Spiel mit Anleihen ist etwas komplizierter als bei Aktien, weil es nicht nur um Angebot und Nachfrage geht. Es geht um Zinskurven, auf denen man runterrollen kann, um Zinsänderungsrisiken und Laufzeiten. Wie ich konkret in Anleihen investiere, erkläre ich dir auf Beating Beta bald in einem anderen Artikel und dann wird es so konkret wie nur möglich. Bleiben wir bei der Frage: Warum würden die Kurse steigen, wenn die Zinsen fallen sollten?

Das Stichwort lautet: Zinsänderungsrisiko. Zum Beispiel hat die Silicon Valley Bank (SVB) das Spiel mit den Anleihen genau andersherum erlebt. Als die Zinsen noch in der Region von 0 Prozent lagen, kaufte die Bank Staatsanleihen. Was änderte sich dann? Genau, die Zinsen. Sie stiegen rasant und damit brachen die Kurse der Anleihen, die noch niedrig verzinst waren, zusammen. Fürs erste Verständnis kannst du dir eine grobe Faustregel merken: Bei Anleihen entwickeln sich Zinsen und Kurse immer gegensätzlich. Die SVB hat also genau das Gegenteil von dem gemacht, was jetzt viele Investoren vorhaben. Sollten nämlich die Zinsen jetzt fallen, was würde dann passieren? Richtig, die Kurse von Anleihen, die jetzt deutlich höher verzinst sind, würden steigen. Genau das ist die Logik dahinter.

Wichtig: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und dient nur zur Information. Ausdrücklich soll hiermit nochmal auf die Risiken hingewiesen werden! Niemand kann garantieren, dass die Zinsen fallen werden. Sie können sogar weiter steigen. Alleine die frischen Zahlen vom Arbeitsmarkt am Freitag, 5. Mai, haben gezeigt, wie robust sich die Wirtschaft nach wie vor zeigt. Das könnte weiter den Druck auf die Notenbank hoch halten, dasselbe auch mit den Zinsen zu tun. Die Angst vor der hartnäckigen Inflation ist lange nicht verflogen. Deswegen springt auch nicht jeder auf den Staatsanleihen-Zug auf. US-Anleihen-Bullen könnten enttäuscht werden, wenn sich die Inflation hartnäckiger als erwartet zeigt und die Fed gezwungen ist, ihre restriktive Haltung beizubehalten.