Nur wenige Aktien treiben den Markt nach oben: Aber wehe, ihnen geht die Luft aus! Kritiker meckern gerne über fehlende Marktbreite und Outperformance nur weniger Aktien. Aber steht der Aktienmarkt wirklich auf tönernen Füßen?

“Dieser Markt steht auf tönernen Füßen”, “nur wenige Unternehmen treiben Aktien immer weiter nach oben” oder “die Börse hat sich von der Realwirtschaft entkoppelt!”: Es sind die typischen Sätze, die Investoren seit Jahren hören. Angeblich soll sich in den letzten Jahren alles an der Börse geändert haben. Früher war natürlich angeblich alles besser, gediegen und vernünftig hätten Anleger damals ihr Geld breit auf alle Aktien verteilt und nicht wie in einer Zockerbude auf die heißesten Dinger wie Netflix, Nvidia und Tesla gewettet! Aber stimmt dieses Klischee denn wirklich?

Fangen wir mal mit einer langweiligen Begriffserklärung an: der Marktbreite. Kritiker verweisen gerne darauf, dass sie fehle. Aber was ist sie eigentlich? Ganz einfach gesagt: Je breiter der Markt, umso mehr Aktien steigen. Es gibt sie natürlich in diversen Ausführungen und jeder nagelt sie sich zurecht, wie sie einem gerade passt. Bären vergleichen die einzelnen Aktien gerne mit dem Index und meckern dann, dass gerade nur wenige Aktien den Index schlagen. Bullen verweisen dagegen gerne darauf, dass viele Aktien sozusagen sich selbst geschlagen haben, also zum Beispiel eine positive Performance seit ein paar Monaten aufweisen oder über einem gleitenden Durchschnitt wie der 200-Tage-Linie liegen.

So viel zur Bürokratie, jetzt lass uns bitte zum spannenden Teil kommen: Fehlt wirklich die Marktbreite an der Börse? Ja, das lässt sich so salopp beantworten. Anfang April hatte der amerikanische Index S&P 500 bereits 7 Prozent gewonnen seit Jahresbeginn, die 500 einzelnen Aktien im Index aber im Schnitt nur ein Prozent! Ein noch besseres Beispiel ist die Performance des Nasdaq im Jahr 2023: Wie Ned Davis Research herausgefunden hat, ließen sich 50 Prozent der Kursgewinne des Tech-Index auf gerade einmal 4 Aktien zurückführen.

Aber ist das wirklich neu? Du kannst es dir wahrscheinlich schon denken, wenn vom Märchen der Marktbreite die Rede ist. Die Strategen von Ned Davis Research zeigen nämlich, dass es praktisch schon immer so gewesen ist und der amerikanische Technologie-Index seit 1987 in vielen Jahren eine sehr windige Marktbreite aufweist.

Das Märchen von der Marktbreite: Aktienmarkt auf tönernen Füßen gebaut?, Beating Beta

Tatsächlich waren im Median nur 3 Aktien für die Hälfte der Performance des Nasdaq verantwortlich, wenn die Performance zwischen 10 und 25% betrug! Und früher war die Marktbreite sogar noch geringer: In einigen Jahren trugen nur 2 oder 3 Aktien die Last des halben Index-Zugewinns.

Nun könnte es sich beim Nasdaq natürlich um ein Einzel-Phänomen handeln: Vielleicht finden sich ja genau dort stets die heißesten Zockeraktien, von denen sich Glücksritter eine berauschende Zukunft erhoffen. Aber auch wenn die Theorie einleuchtend klingt, ist sie dennoch krachend falsch und die fehlende Marktbreite zeigt sich auch schon seit langem auf dem breiten Markt.

Denn J.P. Morgan hat bereits vor Jahren untersucht, wie sich die Performance eines Index aus vielen Einzelaktien zusammensetzt. Der amerikanische Aktienindex Russell 3000 hat sich demnach seit 1980 mehr als verdreiundsiebzigfacht. Ein spektakulärer Erfolg – aber jetzt kommt der Hammer: In diesem Zeitraum haben 40 Prozent der Unternehmen im Index glatt versagt! Sie verloren mindestens 70 Prozent an Wert über diese Periode. Und da soll der Index trotzdem eine so starke Performance hingelegt haben? Ja, dafür reichten tatsächlich 7 Prozent der Unternehmen im Index, die außergewöhnlich gut performt haben. Das darf man getrost als fehlende Marktbreite bezeichnen, oder?

Nochmal zum Mitschreiben: Von den 3.000 größten Unternehmen in den USA in diesem breiten Index haben in den letzten 40 Jahren nur 210 Unternehmen im Schnitt richtig gut performt – und trotzdem ging der Index langfristig durch die Decke. Dass nur wenige Aktien den Markt bewegen, ist also weder neu noch außergewöhnlich. Es ist seit Jahrzehnten Normalität an der Börse.