10 Indikatoren sollen verraten, ob der Markt sein Tief schon gefunden hat. Hier erfährst Du, auf welche Zahlen und Charts die Experten der Bank of America im Bärenmarkt schauen – und ob wir das Tief schon gesehen haben … von Mario Lochner

Sind wir bereits im neuen Bullenmarkt? Oder immer noch im Bärenmarkt? Experten streiten seit Monaten darüber, ob wir das Tief bereits im Oktober 2022 gesehen haben – oder ob noch eine böse Überraschung droht. In der Vergangenheit haben sich 10 Indikatoren der Bank of America (BofA) als besonders hilfreich erwiesen, um die Tiefs zu definieren. Damit die Preise aufhören zu fallen, mussten 8 dieser 10 Indikatoren erfüllt sein. Diese 10 Indikatoren kennst Du wahrscheinlich bereits von meinem YouTube-Kanal und aus verschiedenen Briefings. Da das Interesse aus der Community immer so groß war, findest Du nun hier ein regelmäßiges Update zu den 10 Indikatoren auf Beating Beta.

Wichtiger Disclaimer: Ich handle nicht nach diesen Indikatoren der BofA. Im kurzfristigen Rückblick wäre es auch keine gute Idee gewesen, denn demnach hätte man im Herbst oder Sommer 2022 seine Aktien verkaufen müssen, um auf das Tief zu lauern. Seitdem hätte man aber viel Rendite verpasst. Ob die 10 Indikatoren am Ende doch wieder Recht behalten, können wir wohl erst in ein paar Jahren beurteilen …

Letztes Update: 10.06.2023

Die 10 Indikatoren der Bank of America im Überblick

1. Mindestens eine Zinssenkung der Fed als Signal für steigende Kurse

Die BofA hat die Zinspolitik als einen Indikator dafür ausgemacht, ob der Kursboden erreicht ist: In den vergangenen 7 Phasen langfristig fallender Kurse war erst dann ein Boden erreicht, wenn die Fed die Zinsen in den vergangenen 12 Monaten mindestens einmal gesenkt hat. Das gilt als Zeichen, dass die Fed die Inflation unter Kontrolle hat.

Am 3. Mai 2023 hat die Fed die Zinsen erst einmal weiter erhöht. Und am 14. Juni werden die Zinsen höchstwahrscheinlich nicht gesenkt. Von Zinssenkungen sind wir momentan noch ein Stück entfernt.

Stand: nicht erfüllt!

2. Steigende Arbeitslosenquote

Es klingt etwas befremdlich, aber die Börse hofft in diesem Fall auf schlechte Nachrichten. Die Logik der BofA: Eine brummende Wirtschaft ist negativ für die Börse, denn das spricht nicht für sinkende Inflation.

Таким образом, уровень безработицы должен быть выше 12-месячного минимума. Строго говоря, это выполнено, но признаков длительной слабости еще нет!

Verraten diese 10 Indikatoren das Tief im Bärenmarkt?, Beating Beta

Stand: erfüllt!

3. Anleger an der Börse müssen pessimistisch sein

Die BofA schaut für dieses Kriterium auf die Umfrage der „American Association of Individual Investors (AAII)“. Seit 1987 ermittelt dieses Barometer die Stimmung der Privatanleger wöchentlich, indem sie nach ihren Erwartungen für die Aktienmärkte befragt werden. Momentan befindet sich das Barometer im neutralen Bereich. Anleger sind demnach also nicht übermäßig pessimistisch.

Stand: erfüllt!

4. Aktienrisikoprämie muss über dem Jahrestief liegen

Die Aktienrisikoprämie muss mindestens 75 Basispunkte (0,75 Prozentpunkte) über dem Tief der vergangenen 12 Monate liegen, damit Aktien als attraktiv gelten. Da sie zuletzt gesunken ist, wird das leider nichts …

Verraten diese 10 Indikatoren das Tief im Bärenmarkt?, Beating Beta

Stand: nicht erfüllt!

5. Niedrigere Rendite der zweijährigen Staatsanleihen

Die Rendite von zweijährigen US-Staatsanleihen soll 50 Basispunkte (0,5 Prozentpunkte) unter dem Hoch der vergangenen sechs Monate liegen. Dieser Indikator ist momentan definitiv erfüllt! Anfang März sahen wir das Hoch bei 5,1 Prozent, zuletzt notierte die Rendite deutlich niedriger bei gut 4 Prozent. Allerdings ist das Kriterium mittlerweile nicht mehr erfüllt, nachdem es im April und März der Fall gewesen war.

Verraten diese 10 Indikatoren das Tief im Bärenmarkt?, Beating Beta

Stand: nicht mehr erfüllt!

6. Zinsstrukturkurve muss steigen

Die Renditen von Anleihen steigen normalerweise mit der Laufzeit an. US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sollten eine höhere Rendite abwerfen als zweijährige, weil die Investoren sich länger festlegen und damit ein größeres Risiko eingehen. Die Zinsstrukturkurve steigt also normalerweise an. Und die Steigung der Kurve wird gerne als Indiz für die Konjunkturerwartungen herangezogen (obwohl sie grundsätzlich nur aussagt, mit welchen Zinsen der Markt künftig rechnet). Die Logik geht trotzdem so: Je stärker die Steigung ausfällt, umso besser. Fällt die Steigung dagegen invers aus, ist also die Rendite der zweijährigen Staatsanleihen höher als die der zehnjährigen, wird das gerne als Vorbote einer Rezession interpretiert. Momentan stehen die Zeichen demnach auf Rezession – denn zweijährige US-Staatsanleihen bringen noch deutlich mehr Rendite als zehnjährige. Allerdings hat es sich zuletzt in die richtige Richtung entwickelt.

Stand: erfüllt!

7. 5-Prozent-Rally beim S&P 500

Damit die Kurse wieder steigen können, müssen Anleger Kaufinteresse zeigen. Die Bank of America macht das daran fest, dass der S&P 500 in den vergangenen 3 Monaten mindestens einmal um 5 Prozent gestiegen ist. Dieses Kriterium ist definitiv erfüllt! (Auch wenn das nicht besonders außergewöhnlich beziehungsweise schwierig ist …)

Stand: erfüllt!

8. Markt darf nicht mehr überbewertet sein – die 20er-Regel

Bei der Bewertung setzt die BofA auf die sogenannte „20er-Regel“. Demnach soll die Summe aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 für die Gewinne der zurückliegenden 12 Monate und der aktuellen Inflationsrate unter dem Wert von 20 liegen.

Das aktuelle KGV des S&P 500 beträgt: 24,88

Es erübrigt sich also, die Inflation überhaupt noch aufzuschlagen … unter 20 notiert die Summe momentan definitiv nicht!

Stand: nicht erfüllt!

Wichtige Anmerkung: Die BofA hält die 20er-Regel für einen besonders starken Indikator! Er hatte in vergangenen Bärenmärkten eine Trefferquote von 100 Prozent.

9. Wirtschaftliche Frühindikatoren müssen Tief erreicht haben

Damit die Kurse wieder steigen, muss sich auch die wirtschaftliche Situation aufhellen. Die BofA schaut dafür auf den ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (ISM-PMI-Index). Er gilt als wichtigster und verlässlichster Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA.

Die Experten der US-Bank schauen dabei, ob die jährliche Veränderungsrate des Index über dem Tief der vergangenen 12 Monate liegt. Das ist aktuell der Fall: Momentan liegt der Index bei 46,3 Punkten – Werte über 50 zeigen eine steigende Produktion an, Werte unter 50 eine rückläufige Produktion. Gegenüber dem Vorjahr ist der Index damit um 10,8 Punkte gefallen. Im Dezember lag das Minus aber bereits bei 12,1 Punkten im Vergleich zum Vorjahr.

Stand: erfüllt!

10. Kaufsignal des Sell-Side-Indikators

Der letzte Indikator der BofA ist ihr eigener „Sell-Side-Indicator“ (SSI), der ein Kaufsignal generieren soll. Der Indikator bildet die empfohlene Aktienquote bei Sell-Side-Analysten ab – also den Experten, die Kunden Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf aussprechen. Dabei funktioniert die Stimmung unter den Sell-Side-Analysten als Kontraindikator: Ist sie besonders schlecht, gilt das als bullisches Signal.

Aktuell ist das zwar noch nicht der Fall, allerdings ist der SSI zuletzt schon sehr nahe an ein Kaufsignal herangerückt …

Verraten diese 10 Indikatoren das Tief im Bärenmarkt?, Beating Beta

Stand: nicht erfüllt!

Fazit: Momentan sind nur 5 von 10 Kriterien erfüllt. Demnach haben wir das Tief im Bärenmarkt noch nicht gesehen …